Ärztestreik geht in die nächste Runde Drucken
Geschrieben von: Tanja Tasci   
Montag, 18. Mai 2009 um 12:57

Schon in den letzten Wochen und Monaten blieben immer wieder Arztpraxen tageweise geschlossen, auch in dieser Woche müssen Patienten beim Arztbesuch mit verschlossenen Türen rechnen, denn der Honorarstreik geht weiter.

Der Verband „Freie Ärzteschaft“ ruft vom 18. bis 23. Mai wieder zu Schließungen der Arztpraxen auf und dies bundesweit. Natürlich ist nach wie vor für eine Versorgung der Patienten gesorgt, sodass Patienten mit akuten Beschwerden versorgt werden können. Wer allerdings Kontrolltermine und Untersuchungstermine vereinbart hat, wird in letzter Zeit immer häufiger benachrichtigt, dass die Praxis leider geschlossen ist und so ein neuer Termin vereinbart werden muss. Die Ärzte machen so darauf aufmerksam wie wichtig eine Versorgung vor Ort ist und was geleistet wird, denn die Kassen reduzieren das Ärzte Honorar seit Jahren und die Arbeit in den Praxen ist gleich geblieben oder sogar gestiegen.

Zwar ist der Verband „Freier Ärzte“ ein relativ kleiner Verband, allerdings waren schon in der Vergangenheit zahlreiche Protestaktionen des Verbandes sehr erfolgreich und so ist davon auszugehen, dass auch diesmal der Aufruf bei den niedergelassenen Ärzten ankommt und Gehör findet. Grund des Aufrufs ist letztlich die immer angespanntere finanzielle Situation der Ärzte und immer mehr Ärzte werden von Existenzängsten geplagt.

Gerade junge Ärzte die sich entschließen sich niederzulassen, müssen hohe Investitionen tätigen, die meist über Kredite finanziert werden. Durch Einbußen auf Einnahmenseite wird es für viele Ärzte langsam eng und schon einige Ärzte mussten in die Insolvenz gehen und den Traum von der eigenen Praxis aufgeben. Schon heute bestreiten Ärzte vielfach ihr Überleben mit den sogenannten IGEL Leistungen, doch in Zukunft wird es wohl nur noch Wunschleistungen gegen Barzahlung geben, da die Situation für viele Ärzte anders nicht mehr anders zu meistern ist.

Diskussionen zwischen Ärzten und Patienten gehören heute schon lange zum Alltag, diese erreichten mit Einführung der Praxisgebühren schon einmal einen Höhepunkt, doch auch heute kommt es bei Patienten immer wieder zu Irritationen, denn häufig müssen Ärzte auf Grund von Einsparungen durch die Kassen, Patienten Leistungen ablehnen, die sie einst durch die Kasse bezahlt bekommen haben.

Nun ist schon „Gesundheitsriester“ als Begriff gefallen, denn auch im Gesundheitsbereich soll es ohne private Vorsorge zukünftig nicht mehr gehen. Letztlich sind in den letzten Jahren Patienten und Ärzte die Leidtragenden der Gesundheitsreformen und es wird Zeit, dass Patienten sich auf die Seite der Ärzte stellen, denn schließlich geht es um ihre Gesundheit. Gerade auf dem Land sterben die Landärzte langsam aus, denn für Hausbesuche gibt es keine lohnende Bezahlung durch die Kassen und Ärzte die diese Leistungen noch erbringen zahlen häufig schon an Spritkosten mehr, als ein Hausbesuch am Ende einbringt.

Viel zu oft wird vergessen, dass Ärzte letztlich selbstständige Unternehmer sind, die neben den Leistungen am Patienten noch sehr viele bürokratische Leistungen erbringen müssen und wie jeder Geschäftsmann kalkulieren müssen, wie sie ihre Praxis gewinnbringend führen können. Viele Ärzte sehen der Zukunft mit Angst entgegen und immer mehr gut ausgebildete Ärzte suchen im Ausland ihr berufliches Glück, da sie hier häufig einen leichteren Stand haben und sich auf ihr Fach konzentrieren können und sich nicht mit unnötiger Bürokratie herumschlagen müssen.