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Netto Mitarbeiter prangern Arbeitsbedingungen an PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Tanja Tasci   
Freitag, 15. Mai 2009 um 20:36

Bahnt sich ein neuer Skandal im Einzelhandel an? Zumindest prangern einige Mitarbeiter von Netto ihre Arbeitsbedingungen an. Der Skandal um die Arbeitsbedingungen bei Lidl soll von den Bedingungen bei Netto sogar in den Schatten gestellt werden.

Die Vorwürfe gegen Netto kommen nicht von Aushilfen, sondern auch von Filialleitern, die deutlich die Arbeitsbedingungen als sehr negativ darstellen und die Zustände die einst bei Lidl herrschten als Kindergeburtstag bezeichnen. Die Konzernleitung hingegen bezeichnet die Arbeitsbedingungen als Branchenüblich und so gibt es zwei ganz klare Fronten im Bezug auf die Arbeitsbedingungen bei Netto.

Einer der Vorwürfe gegen Netto durch die Filialleiter ist, dass Aktionsware erst nach Feierabend eingeräumt wird. Gerade am Samstag soll die Aktionsware aus den aktuellen Prospekten zum größten Teil erst nach 20 Uhr eingeräumt werden und dies belegt angeblich sogar ein Plan für die Aktionsware. Doch nicht nur Samstag sollen Überstunden gemacht werden müssen, denn angeblich sind gerade die Filialleiter häufig 10 bis 12 Stunden an ihrem Arbeitsplatz und haben somit kaum Erholungsphasen. 65 bis 75 Stunden Wochenarbeitszeit wären bei Netto die Regel, so wurde es zumindest von Spiegel Online veröffentlicht und angeblich liegt hier auch der Plan für die Einräumung der Aktionsware in Kopie vor.

Die Vorwürfe sind nicht zum ersten Mal in den Medien zu finden, denn schon die „tageszeitung“ veröffentlichte Vorwürfe, dass angeblich Mitarbeiter bei Netto über 1000 Überstunden geleistet hätten ohne Ausgleich zu erhalten. Laut der Führung von Netto sieht es allerdings so aus, dass durch eine übertarifliche Zahlung die Überstunden monatlich abgegolten werden.

Letztlich hat der Mutterkonzern Edeka nun bald 4000 Discounterfilialen und gespart wird angeblich immer am Personal. Laut den Betroffenen wird die Mehrarbeit jedoch nicht angeordnet und wenn entsprechend Mehrarbeit angegeben wird, dann muss sich der Filialleiter dem Konzern gegenüber rechtfertigen, denn es gibt ein Arbeitsstunden Kontingent welches normal nicht überschritten werden darf. Sicherlich ist im Verkauf heute der Druck auf die Mitarbeiter groß, wie man auch schon von anderen Discountern gehört hat. Testkäufer gehören heute schon zum Alltag und Fehler können jeden Mitarbeiter den Arbeitsplatz kosten. Das umstrittene Stundenkontingent wird von der Führungsebene auf Grund von angeblichen Erfahrungswerten vorgegeben und dies macht die Sache sicherlich schwierig.

Da Edeka der Marktführer ist und zahlreiche Discounter nun schon unter der Konzernleitung stehen, ist es für Mitarbeiter auch schwierig einen neuen Arbeitsplatz in der Branche zu finden. Ob die Arbeitsbedingungen nun wirklich so extrem sind, wie von einigen Mitarbeitern angegeben, sei dahin gestellt. Klar ist allerdings, dass auch im Verkauf, wie auch in allen anderen Branchen, heute der Druck enorm ist und immer höhere Leistungen abverlangt werden. Ob sich nun auch bei Netto wie einst bei Lidl ein handfester Skandal eröffnet, sei einmal dahin gestellt, doch schon alleine der Verdacht belastet das Ansehen von Netto und so darf man gespannt auf eine Klärung der Situation warten und auf eventuelle Lösungswege, denn auch der Konzern steht nun in Zugzwang und wird sich öffentlich zu den Vorwürfen äußern müssen. Wie viele Mitarbeiter letztlich hinter den Vorwürfen stehen und diese bestätigen können, ist bisher auch unklar.