Damit die Betreiber von Abzock-SMS auch ordentlich verdienen gibt es für deren Mitarbeiter strenge Arbeitsanweisungen. Einige davon wurden nun auch im Kieler Prozess belegt. So sollen die Animateure die Kunden mit falschen Profilen täuschen und ihnen vorgaukeln, dass das Produkt ihrer Begierde den hohen SMS-Preis auch wert ist.
Dafür werden die Kunden klassifiziert und das recht schamlos: Ideal sei „Typ 3“: „Diesen Kunden kann man fast alles schreiben und – sie werden antworten – bis zu ihrem Ruin.“ Es handele sich dabei um Minderbemittelte, geistig und/oder körperlich Behinderte, Jungfrauen, dicke, Hässliche, Legastheniker und Leute mit zu geringem Selbstwertgefühl. Bei diesen wäre es fast egal, was man schreibt, sie werden antworten, wenn man auf sie „eingeht.
Auch Suchende von Mitte 30 bis über 60 seien lohnende Kunden, wenn „gut“ mit ihnen umgegangen wird. Etwas schwieriger seien hingegen die „Fremdgänger“ und „Sexkunden“. Bei ihnen ist Fingerspitzengefühl gefragt.
Dann gibt es noch den „Skeptiker“ der Lunte riecht und davon ausgeht, dass der Chatpartner nicht real ist. Dieser sei jedoch mit etwas Fingerspitzengefühl vom Gegenteil zu überzeugen. Typ 1 und 2 seien hingegen praktisch aussichtslos, da sie ein Date suchen, aber nicht viel Geld dafür ausgeben wollen. Sie fragen sofort nach E-Mail oder privater Telefonnummer. Sie können nur mit Ausflüchten eine Weile hingehalten werden.
Dass die Betreiber sich in einer Grauzone bewegen, ist ihnen sehr wohl bekannt, was Arbeitsanweisungen wie: „Wir befinden uns hier in einer Grauzone und können für einige Äußerungen gerichtlich belangt werden.“ Erklärt. Weshalb den Kunden nicht gesagt werden dürfe: „Wir zahlen auch zwei Euro für eine SMS“, sondern: „Wir zahlen auch für jede SMS.“
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